Glaubensfragen
Antworten auf Fragen zum christlichen Glauben

Mein großer Bruder Jesus (Heb2,11)

Welche Person aus der Dreieinigkeit steht dir eigentlich am nächsten? Die Frage mag ungewöhnlich wirken, spiegelt aber die Realität wider. Nicht alle Christen haben die Freiheit, zum Heiligen Geist zu beten. Nicht alle haben ein gutes Gefühl, wenn sie Gott als Vater betrachten müssen. Jeder von uns hat eine andere Prägung. Darum finde ich es gut, dass sich Gott in unterschiedlichen Erscheinungsformen präsentiert. Er holt jeden von uns dort ab, wo wir stehen.

Gestern hatte wir wieder unseren Sonntagshauskreis. Die Teilnehmer hatten sich gewünscht, den Hebräerbrief besser kennenzulernen. Dabei haben wir eine Facette von Jesus entdeckt, die häufig wenig Beachtung findet: Jesus als unseren großen Bruder!

In Heb2,11steht, dass Jesus uns gerne als seine Geschwister bezeichnet. Wie alle Erstgeborenen möchte er uns als die Jüngeren Dinge beizubringen, die er bereits gelernt hat. Darum ermutigt er uns auch, dieselben Dinge zu tun wie er (Joh14,12). Lustigerweise spricht Heb2,12 davon, dass Jesus uns immer wieder etwas vorsingt. Vielleicht habt ihr mit euren leiblichen Geschwistern so etwas auch schon mal erlebt.

Ich mag die Vorstellung, dass Jesus mein großer Bruder ist. Hinter einem großen Bruder kann man sich verstecken, wenn es schwierig wird. Man kann von ihm lernen und zu ihm aufschauen. Der große Bruder hat viele Dinge bereits erreicht, von denen die jüngeren Geschwister einfach profitieren können. Und wenn es gefährlich wird, dann kann man davon ausgehen, dass der große Bruder kommt und einen verteidigt.

Ich selbst habe zwei jüngere Geschwister. Einmal wurde meine Schwester von anderen Kindern attackiert und in einen See geschmissen. Als ich davon erfuhr zog ich los, um die Schuldigen auszumachen und die Sache „zu regeln“! Mir gefällt die Vorstellung, dass Jesus mein großer Bruder ist.

Neben der Tatsache, dass Jesus für mich eintritt, begeistert mich, dass ich vollwertiger Teil der Familie bin. Ich habe dieselben „Gene“ wie Jesus. Unser gemeinsamer Vater bietet mir (und euch) dieselbe Stellung und Möglichkeit an, die er auch schon meinem großen Bruder angeboten hat. Vereinfacht gesagt: Alles was Jesus tun durfte, darf ich als jüngerer Bruder auch tun. Und alles, was Jesus erleben durfte, möchte unser Vater uns als Geschwister auch ermöglichen (Joh14,13-14).

Wer Begriffen hat, dass Jesus nicht der unerreichbare Gottessohn, sondern der große Bruder ist, der liest die vier Evangelien anders. Die Berichte von Jesus hören auf, unerreichbare Wundergeschichten zu sein. Stattdessen werden sie zu einer Art Familienalbum, durch das wir motiviert werden, unserem großen Bruder nachzueifern. Wir dürfen in unserer Familienchronik blättern und anfangen, dieselben Dinge zu tun, die unser großer Bruder uns gezeigt und vorgemacht hat (1Pe2,21). Ich mag die Tatsache, dass Jesus mein großer Bruder ist!