Glaubensfragen
Antworten auf Fragen zum christlichen Glauben

Werden wie eine Kind (Mk10,15)

Ich meiner Bibelzeit heute Morgen bin ich auf folgenden Satz von Jesus gestoßen: „Wahrlich ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen!“ (Mk10,15).

Manchmal wird das Reich Gottes gleichgesetzt mit dem Himmel bzw. mit der Ewigkeit. Aber so eine Auslegung greift viel zu kurz! Das Reich Gottes ist nichts, dass wir erst in Zukunft erleben sollen. Die Idee ist, dass wir jetzt schon in den Genuss der himmlischen Wirklichkeiten kommen sollen (Eph1,3).  

Jesus spricht davon, dass man an Gott glauben kann, aber trotzdem nicht wirklich im Reich Gottes lebt (z.B. Mt5,19-20). Anders formuliert könnte man sagen: Wir sind zwar durch unsere Bekehrung „versetzt ins Reich von Jesus“ (Kol1,13). Aber im normalen Alltag profitieren wir kaum von den Vorteilen dieser Tatsache.

In diesem Sinne verstehe ich auch die Aussage, die ich oben zitiert habe. Jesus spricht in Mk10,15 vom entscheidenden Schlüssel, durch den wir jeden Tag Zutritt in die erfahrbare Gegenwart von Jesus bekommen: Wir müssen werden wie Kinder!

Wer sich jetzt fragt, was genau das bedeutet, der bekommt gleich in den nächsten Versen seine Antwort. In Mk10,17-27 wird das Gespräch zwischen Jesus und einem reichen Mann erzählt. Es wird deutlich: Der Reiche konnte nicht ins Reich eingehen, weil er seinem Geld mehr zutraute als Gott. Das Reich Gottes wie ein Kind anzunehmen bedeutet, seinem göttlichen Vater mehr zu vertrauen als allem anderen.

Ein Kennzeichen des Erwachsen Werdens besteht darin, sein Leben selbständig „in die Hand zu nehmen“. So wichtig dieser Schritt in unserer Welt ist, so kritisch ist er in Bezug auf unsere Beziehung mit Gott. Christliche Reife bedeutet nicht, sein Leben selbständig „in die Hand nehmen“. Christlich reif zu sein meint: Ich erkenne, dass ich im Grund nichts wirklich in der Hand haben!

Das meint Jesus, wenn er sagt: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen!“ (Mk10,15). Gott zwingt uns nicht in die Abhängigkeit. Aber er wünscht sich, dass wir selbstständig darauf kommen: Nichts ist entspannter, als in Abhängigkeit zu ihm durchs Leben zu gehen.

Ich wünsche dir, dass du wieder ganz neu die Freiheit bekommst, ein Gotteskind zu sein. Leider gibt es viele Menschen, die keine gute Beziehung zu ihren irdischen Vätern hatten. Solchen fällt es schwer, sich mit Gott als Vater anzufreunden. Für diese gebrannte Kinder ist Gott gerne auch eine Oma, eine Freundin, ein Onkel oder sonst eine liebevolle Person.

Gib Gott deine Sorgen und empfang von ihm Hoffnung. Gib Gott deine Ängste und empfang vom ihm Sicherheit. Gib Gott deinen Minderwert und empfang vom ihm Wertschätzung. Gib Gott deine Sehnsüchte und empfang seine Führung. Gib Gott die Kontrolle und empfang von ihm Frieden. Gib Gott dein Herz und empfang von ihm mehr Liebe, als du sonst irgendwo bekommen wird. Werde wie ein Kind und erlebe Gott als perfekten Papa!