Glaubensfragen
Antworten auf Fragen zum christlichen Glauben

Wirf deinen Mantel weg (Mk10,50)

Heute habe ich die im Markusevangelium die Geschichte vom blinden Bartimäus gelesen (Mk10,46-52). Vielen von euch ist diese Geschichte sicher bekannt. Sie zählt zu den beliebtesten Erzählungen in der Bibel.

Bartimäus war ein Bettler. Als Blinder konnte er keiner anderen Arbeit nachgehen. Er war darauf angewiesen, dass andere ihm etwas schenkten. Eines Tages kam Jesus in seine Stadt. Als er davon hörte, fing er an zu schreien wie Wahnsinniger. Vielen Passaten war der brüllende Bettler peinlich. Doch Jesus hörte Bartimäus und ließ ihn zu sich rufen. Was dann passierte scheint wie eine Nebenbemerkung, ist aber von großer Bedeutung. In Mk10,50 steht: Bartimäus aber warf seinen Mantel ab, stand auf und kam zu Jesus.

Für uns heute ist es nicht ungewöhnlich, dass wir viele unterschiedliche Kleidungsstück im Schrank haben. Aber in der Antike besaßen gerade arme Menschen nur die Kleidung, die sie auf dem Leib trugen. Der Mantel war das wichtigste Kleidungsstück, denn er wurde nachts auch als Decke benutzt.

Interessant: Hatte sich jemand Geld geliehen und konnte dies nicht zurückzahlen, kam es vor, dass der Mantel gepfändet wurde. Nach 2. Mose 22,26-27 musste der Mantel jedoch am Abend zurückgegeben werden, damit er zum Schlafen genutzt werden konnte.

Als Jesus lief, warf Bartimäus seinen Mantel fort. Er wusste: Das ist meine Chance und nichts darf mich daran hindern, möglichst schnell zu Jesus zu kommen.  Ich glaube, dass wir dieses Bild vom Mantel gut für uns übertragen können. Was hindert mich, die Gegenwart und Kraft von Jesus in meinem Leben zu erfahren?

In Mat13,44-46 spricht Jesus davon, dass sein Reich wie eine Perle ist, für die wir alles andere aufgeben müssen, um sie zu bekommen. Ich glaube, dass wir nur so viel mit Jesus im Alltag erleben, wie wir bereit sind, dafür aufzugeben.

Und bitte versteht mich jetzt nicht falsch: Unsere Erlösung ist ein bedingungsloses Geschenk, für das wir gar nichts zu tun müssen, außer es anzunehmen. Umgekehrt zeigt das neue Testament aber deutlich: Wer die Gegenwart und Kraft von Jesus im Alltag erfahren möchte, der muss alles andere diesem Ziel unterordnen. Jesus bringt das Prinzip sehr klar auf den Punkt, wenn er sagt: Wer mir nachkommen will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (Mk8,34).

Bartimäus hat alles auf eine Karte gesetzt – Jesus! Er warf weg, was er hatte und bekam dafür unendlich viel mehr geschenkt. Ich möchte es ebenso tun. Lasst uns aufhören, an scheinbaren Sicherheiten zu hängen und so die größeren Dinge zu verpassen, die Jesus an uns und durch uns tun möchte. Jesus hat es einmal so ausgedrückt: Was hilft es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und sein Leben verliert? (Mk10,36).

Mit dem Wort Leben ist hier übrigens nicht das ewige Leben gemeint! Aus dem Zusammenhang wird klar: Jesus spricht hier von einem Leben mit Sinn, so wie der Vater im Himmel es ursprünglich für uns geplant hat. Nachdem Bartimäus seine Sicherheiten aufgegeben hatte, bekam er von Jesus ein neues, erfülltes Leben geschenkt. Ich wünsche jedem von uns dieselbe Erfahrung!