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Paulus und die Frage: Dürfen Frauen predigen?

Immer wieder wird in freikirchlichen Gemeinde über die Frage gesprochen, ob Frauen im Gottesdienst predigen dürfen. Mache Gemeinde haben den Weg dafür frei gemacht und andere nicht. Während ich diese Worte eintippe, spüre ich in mir ein mulmiges Gefühl und den Anflug von Ärger: 

Wieso müssen wir uns überhaupt mit dieser Frage beschäftigen? Ich hatte fantastische Lehrerinnen in der Schule und nie den Eindruck, eine Frau könnte schlechter «lehren» als Männer! Es gibt charismatische Politikerinnen, die ihre Botschaft in meinen Augen besser präsentieren können als viele ihrer männlichen Kollegen. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass sich viele Frauen feiner und adäquater in der Öffentlichkeit bewegen als wir Männer das häufig tun! Frauen, so scheint es mir, haben nach Jahrtausenden der Missachtung endlich in unseren Tagen ihre Identität finden dürfen. Was liegt also näher, als Frauen auch innerhalb der freikirchlichen Bewegung vollen Zugang zu allen Ämtern zu geben? Wieso überlegen wir auch nur eine Sekunde, ob Frauen eine Predigt halten dürfen, wo sie sich auch sonst in allen Bereichen des Lebens bewährt haben?

Das Problem ist, dass die freikirchliche Bewegung sich in ihrem Glauben und Handeln in großem Umfang auf die Bibel beruft. Und die Aussagen der Bibel wiedersprechen meinen gerade beschriebenen Gedanken und Gefühlen. In heute frauenfeindlich wirkender Manier schreibt Paulus folgende Worte in seinem Brief an Timotheus: «Eine Frau soll in der Stille lernen, in aller Unterordnung. Ich erlaube einer Frau nicht, zu lehren, auch nicht, dass sie über den Mann herrscht, sondern sie soll sich still verhalten. Denn Adam wurde zuerst gebildet, danach Eva. Und Asam wurde nicht verführt, die Frau aber wurde verführt und geriet in Übertretung, sie soll aber davor bewahrt werden, durch das Kindergebären …» 1.Tim.2,11-15

Ich bin verheiratet mit einer wunderbar starken Frau. Sie hat Kinder geboren und ist eine großartige Mutter und Hausfrau. Umgekehrt hat sie Erfolg in ihrem Beruf und ist sehr gut in der Lage, Männer innerhalb ihres Fachgebietes zu unterweisen. Es tut mir weh, wenn ich darüber nachdenke, dass sie solche Aussagen in dem Buch lesen muss, dass wir als Wort Gottes betrachten. Doch genau das ist der entscheidende Punkt: In wie weit ist die Bibel das Wort Gottes, wenn es um Fragen geht, die meinem Denken und Fühlen wiedersprechen? Ist es in akzeptabel, dass ich die Worte der Bibel an gewissen Punkten abschwäche, weil sie ganz offensichtlich nicht mehr in unsere Zeit hineinpassen?

Wie schon geschrieben: Etliche Gemeinde sind einen solchen Weg bereits gegangen. Häufig wird dieser damit begründet, dass Paulus in 1.Tim.2,11-15 nur seine Meinung ausdrückt bzw. in eine konkrete Situation von damals hineinschreibt, die heute nicht mehr gilt. Andere begründen eine Abschwächung dieser Verse damit, dass sie das Worte «Lehren» neu definieren. Mache sagen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Lehren und Predigen, wobei Predigen mehr lebensnah/zeugnishaft und Lehren mehr theoretisch sein soll. Anderen verstehen das Wort «Lehren» im Zusammenhang mit der Aussage «nicht zu herrschen» und kommen zu dem Schluss: Eine Frau darf predigen, wenn sie dies «unter der Begleitung/Obhut männlicher Leiter» in der Gemeinde tut. Wie genau diese «Begleitung von männlichen Leitern» dann ausschaut und was so eine Regelung für das Selbstwertgefühl von weiblichen Predigerinnen bedeutet ist mir nicht wirklich klar.

Ich hoffe, dass es mir bisher gelungen ist, meine innere Spannung in Bezug auf das Thema aufzuzeigen. Denn es ist mir wichtig zu betonen, dass ich als Mann in keiner Weise ein Problem damit habe, mir etwas von einer Frau sagen zu lassen. Nichts desto trotz habe ich ein Problem damit, wenn immer mehr Gemeinden weibliche Predigerinnen zulassen! Der Grund für dieses Problem sind nicht die Frauen. Der Grund für dieses Problem ist meine Haltung zur Bibel! Aus meiner Sicht macht es nämlich wenig Sinn, wenn Christen die Bibel auf der einen Seite als Grundlage für ihr Handeln betrachten und auf der anderen Seite bei unpopulären Aussagen eine Umdeutung von eindeutigen Aussagen vornehmen. Und diese letzte Formulierung meine ich tatsächlich so, wie ich es geschrieben habe: Das, was Paulus in 1.Tim.2,11-15 schreibt ist absolut eindeutig, auch wenn es mir nicht in allem einleuchtet.

Natürlich kann man sagen, dass hier NUR Paulus schreibt und es sich vermutlich nicht um die Worte und den Willen Gottes handelt. Das Problem besteht aber darin, dass Paulus fast die Hälfte vom Neuen Testament geschrieben hat und ein Grossteil unserer freikirchlichen Überzeugungen auf ihn zurück zu führen sind. Unsere freikirchliche Lehre vom Heil und von der Erlösung, unser Wissen von den Geistesgaben, unsere Überzeugungen in Bezug auf Gemeindestrukturen, Taufe, Abendmahl und vieles andere geht eins zu eins auf die Worte vom Apostel Paulus zurück. Nur in Bezug auf die Rolle und Aufgabe der Frau in der Gemeinde soll er sich geirrt haben? Ich möchte diesen Punkt gerne noch konkreter machen: Das, was Paulus in 1.Tim.3,1-13 über die Qualifikationen von Älteste und Diakone schreibt, hat in fast allen mir bekannten Freikirchen seine volle Gültigkeit. Doch das, was Paulus unmittelbar davor in 1.Tim.2,11-15 über die Frau in der Gemeinde schreibt, wird von vielen derselben Gemeinde als unzeitgemäß abgelehnt.

Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mir dieses Vorgehen nicht behagt. Und genau darum habe ich mich entschlossen, lieber mit diesen (und anderen) Bibelworten zu ringen als sie für mich passend zu machen! Mit den Worten der Bibel zu ringen bedeutet für mich, diese als autoritatives Gotteswort ernst zu nehmen, auch wenn mir nicht gefällt, was ich lese. Ringen bedeutet schlussendlich auch, dass ich Aussagen der Bibel an- und ernstnehme, auch wenn ich es lieber anders gehabt hätte.

Wie schon betont: Mir leuchtet von meiner Erfahrung her nicht ein, wieso eine Frau «in der Stille lernen» soll, dieses Wissen dann aber nicht im Gottesdienst an Männer weitergeben darf. Was mir aber sehr klar ist, dass ist die Tatsache, dass man die Aussage in 1.Tim.2,11-15 nicht einfach als «heute ungültig» vom Tisch wischen kann. Denn Paulus argumentiert in diesen Versen nicht mit irgendwelchen kulturellen Normen oder antiken Traditionen. Sondern er begründet seine Forderungen mit einem Vorfall, der nach christlichem Glauben im Paradies stattgefunden hat, also lange vor jeder menschlichen Kultur oder geschaffenen Tradition. Auch wenn es schwer zu ertrage ist, so sagt Paulus doch: Eva, die Mutter aller Frauen ist damals im Paradies verführt worden. Paulus spielt damit an auf das Gespräch zwischen Eva und der Schlange (1.Mo. 3,1-6), in dessen Folge Eva den Sündenfall einleitete.

Paulus ist also kein Frauenfeind und er hält Frauen nicht für schlechte Lehrer. Das, was Paulus sagt ist: Frauen sind verführbarer als Männer! Und dabei geht es ihm nicht um eine grundsätzlich größere Verführbarkeit von Frauen, sondern um eine größere Verführbarkeit in Bezug auf die Anweisungen Gottes. Ich kann nicht beweisen, dass diese Aussage über Frauen stimmt. Genau so wenig kann ich aber beweisen, dass Jesus bei seinem Tod für meine Sünden gestorben ist. Als Christ bleibt mir nur die Möglichkeit, die Aussagen der Bibel zu glauben oder nicht! Und damit sind wir erneut beim Kern des Problems angekommen: Die Frage, ob Frauen in der Gemeinde predigen dürfen ist keine kulturelle Frage, sondern eine Glaubensfrage! Glaube ich, dass die Bibel auch in diesem Punkt recht hat und es aus Gottes Sicht besser für eine Gemeinde ist, wenn Frauen nicht predigen? Das ist die eigentlich Frage bei allen Diskussionen über 1.Tim. 2,11-15!

Wir haben viele Beispiele in der Bibel, wo Menschen die Anweisungen Gottes ignoriert haben. Sie taten das, weil ihnen diese Anweisungen nicht logisch erschienen, weil sie glaubten, es besser zu wissen oder weil die Gebote Gottes nicht mehr zeitgemäß erschienen. Die Konsequent war eigentlich immer dieselbe: Die jeweiligen Menschen mussten in ihrem Leben Umwege gehen, die nicht nötig gewesen wären, wenn man gleich auf Gott gehört hätte. Ich hätte von mir aus niemals gesagt, dass Frauen in geistlich-theologischen Fragen verführbarer sind als Männer! Aber ich glaube, dass die Bibel es in 1.Tim. 2,11-15 so sagt. Es ist nun an uns zu entscheiden, wie wir auf diese biblische Aussage reagieren und welche Schlüsse wir daraus für uns ziehen wollen!

Euer Marlon


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