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Stell Gott deine Fragen

Jeder von uns hat unbeantwortete Fragen im Leben. Wie sollen wir mit solchen Fragen umgehen? Manche Christen sagen, dass es keinen Sinn macht, zu viel über das „Warum“ nachzudenken. Ich persönlich habe aber erlebt, dass Gott selbst auf solche Fragen einleuchtende Antwort geben kann. In meiner Bibelzeit bin ich heute auf einen sehr spannenden Text gestossen, der einen Einblick gibt, wie der Prophet Jeremia mit seinen Fragen umgegangen ist.

 

Er schreibt: O Herr, du bleibst im Recht, wenn ich mit dir rechte. Dennoch will ich über deine Rechtsentscheide mit dir reden: Warum ist der Weg der Gottlosen so erfolgreich und bleiben alle, die treulos handeln, unangefochten? Jer. 12,1.

Entgegen des Rats mancher Christen stellt Jeremia sehr klar seine „Warum-Fragen“! Dabei ist seine Grundhaltung aber besonders. Denn bevor er mit seinen Fragen kommt, betont er, dass er Gottes Entscheidungen voll und ganz anerkennt! Ich möchte von dieser Einstellung lernen. Offenbar ist es kein Problem, wenn wir Gott unser Herz ausschütten. Das Problem besteht darin, wenn wir anfangen, gegen Gottes Entscheidungen zu rebellieren. Jeremia macht sehr deutlich: Gott hat immer Recht! Dennoch stellt er seine Fragen, weil er keinen besseren Ort kennt, um diese Frage zu deponieren.

Das Geniale ist, dass Gott die Gedanken unseres Herzens ja schon kennt, bevor wir sie Formulieren! Wir brauchen uns also im Grunde bei unseren Gebeten gar nicht zurückhalten und können all unsere Not einfach rauslassen. Jeremia tut genau das, wenn er schreibt: Reiße sie wie Schafe hin zu Schlachtbank und weihe sie für den Tag der Schlachtung. Jer. 12,3b. Wie oft probiere ich, meine Gebete so zu formulieren, dass es irgendwie noch gut und anständig tönen. Dabei könnte ich einfach das aussprechen, was meine Seele fühlt und denkt. Jeremia hatte an dieser Stelle den Wunsch, dass Gott die treulosen Menschen in seinem Volk einfach töten würde. Punkt! Das ist kein Gedanken, den man auf einer Gemeindeversammlung so aussprechen sollte. Aber im Gebet hat er Platz!

Wir dürfen Gott alles sagen! Wir dürfen ihm auch alle unsere Fragen stellen. Das Einzige, was Gott von uns möchte ist, dass wir seine Entscheidungen am Ende des Tages akzeptieren, egal ob es uns gerade gefällt oder nicht! Wer in dieser Haltung betet, der gibt Gott einerseits die Ehre, die ihm gebührt. Anderseits wird so ein Beter erleben, dass die Last seines Herzens von ihm genommen wird. Manchmal wird Gott Antworten geben, so, wie er das in diesem Kapitel bei Jeremia getan hat. Ein anderes Mal wird Gott einfach nur seinen Frieden über unsere Fragen ausschütten, so das wir vertrauensvoll mit ihm weitergehen können.

Euer Marlon