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Gottes zerrissenes Herz

Aktuell lese ich das Buch des Propheten Jeremia. Und dort zeigt sich mir ein Bild von Gott, dass mich erschüttert hat. In kaum einem anderen Buch der Bibel öffnet Gott sein Herz so deutlich. An kaum einer anderen Stelle wird die Verletzlichkeit Gottes so klar beschrieben, wie in folgenden Worten.

Und du (Jeremia) sollst dieses Wort zu ihnen sprechen – Meine (Gottes) Augen zerfließen in tränen Tag und Nacht, ohne Aufhören. Denn schwer verwundet ist die Jungfrau (Israel) … durch einen sehr schmerzlichen Schlag. Jer. 14,17. Dieser Vers ist nun ein Beispiel von Vielen, in denen Gott seiner Trauer und seinem Schmerz freien Lauf lässt. Das dramatische an diesen Worten ist, dass Gott selbst derjenige war, der seinem Volk diesen schmerzlichen Schlag verpasst hat. Über Jahrhundert hinweg hatte er immer wieder Propheten nach Israel geschickt. Und diese hatten das Volk vor genau dem Moment gewarnt, der zurzeit vom Propheten Jeremia gekommen war. Gottes Geduld war am Ende und die Strafe eine fest beschlossene Sache. Aber Gott hatte keine Freude daran, dass jetzt Gerechtigkeit geübt werden sollte. Stattdessen zerriss es ihm schier sein Herz, seinem geliebten Volk solch ein Leiden zufügen zu müssen.

Manche Christen, würden mir spätestens bei diesem letzten Satz wiedersprechen. Weit verbreitet ist nämlich der Glaube, dass Gott gar nicht die Ursache für Leid in unserem Leben ist. Doch der Prophet Jeremia erlebt genau das Gegenteil. Obwohl er nämlich um Gnade und Aufschub bei Gott fleht (14,19-22), hört er doch nur noch Anweisungen wie diese: Du sollst für dieses Volk nicht bitten, dass es ihm gut gehe! Denn wenn sie auch fasten, so höre ich doch nicht auf ihr Flehen … sondern mit dem Schwert, mit Hunger und mit der Pest will ich sie aufreiben. (14,11-12). Gott ist langmütig, geduldig und gnädig. Aber irgendwann gibt es auch bei Gott ein zu spät. Und dann greift er strafend ein, auch wenn es ihm sein Herz zerreißt!

Mir sind diese Worte nahe gegangen. Denn Gott zeigt sich hier als Vater, der es hasst, wenn er seine Kinder bestrafen muss. Wie oft schauen wir nur auf uns, wenn Gott schlechte Dinge in unserem Leben zulässt oder wirkt? Dabei leidet vor allem er, wenn es in unserem Leben nicht so laufen kann, wie er es sich gedacht hat. Was also können wir tun, um uns und Gott glücklich zu machen? Hier die Antwort von Jeremia: Hört und gebt acht! Seid nicht überheblich, denn der Herr redet. Gebt dem Herrn, eurem Gott die Ehre, bevor er es finster werden lässt … Wenn ihr aber nicht hören wollt, so wird meine Seele im Verborgenen weinen wegen eures Hochmuts. Mein Auge wird unaufhörlich weinen und in Tränen zerfließen … (13,15-17). Um ein Leben im Segen Gottes führen zu können ist es notwendig, immer wieder auf Gottes Reden zu hören. Gott entzieht seinen Segen nie, ohne zuvor viele Mal geredet zu haben. Ein Leben im Segen ist abhängig vom demütigen Hören auf das, was Gott uns durch seinen Heiligen Geist immer wieder zu sagen hat! Wer gelernt hat, den Heiligen Geist aktiv in sein Leben hineinsprechen zu lassen, der wird Gott niemals so erleben, wie das Volk Israel ihn zurzeit von Jeremia erleben musste.

Gebet: Lieber Vater. Mir ist neu bewusst geworden, wie sehr DU leidest, wenn ich meine eigenen Wege gehe. Ich möchte dich um Verzeihung bitten, dass ich so oft vergesse, auf deine Anweisungen zu hören. Danke für deine Geduld mit mir! Bitte sag mir jetzt, wie ich in deinen Augen unterwegs bin. Bitte zeige mir deine Wege und deine Ideen für mein Leben! Amen.